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Impf-Föderalismus

Zwischen den Kantonen gibt es grosse Unterschiede in der Umsetzung von Impfprogrammen. Diese wiederum führen zu sehr grossen Differenzen der kantonalen Impfraten. Erfolgsfaktoren für eine gute Durchimpfung können einerseits gut strukturierte, systematisch aufbereitete Informationen sein und andererseits die gezielte Kontrolle des Impfstatus sowie die Durchführung von Impfungen in der Schule und das Angebot, die fehlenden Impfungen durch den schulärztlichen Dienst zu erhalten.

Die Kantone sind für die Umsetzung der Impfempfehlungen und die Erreichung der Ziele der öffentlichen Gesundheit verantwortlich. Dazu gehört insbesondere die Reduktion von übertragbaren Krankheiten, die durch Impfungen vermieden werden können. Obwohl die Impfempfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) landesweit gelten, schwanken die Impfraten von Kanton zu Kanton sehr stark. Am grössten sind diese Unterschiede bei Impfungen, die im Jugendalter empfohlen werden, namentlich bei der Impfung gegen Hepatitis-B und der Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV). Die Raten der HPV Durchimpfung bei Mädchen reichen von 19% im Kanton. Appenzell Innerrhoden bis 79% im Kanton Wallis (siehe Diagramm nächste Seite). Die Zahlen für Jungen wurden bisher noch nicht publiziert.

Faktoren, die die Durchimpfung beeinflussen

Bei Impfungen, die im Jugendalter durchgeführt werden, stellen sich verschiedene Herausforderungen. Einerseits gehen Kinder in diesem Alter selten zum Arzt. Andererseits bieten diese Impfungen Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen, was aber für viele Eltern ein Tabu darstellt.

In einer kürzlich publizierten Studie des BAGs (FEVAC Studie) zeigte sich, dass soziokulturelle Faktoren und die Implementierung der kantonalen Impfprogramme die Unterschiede in der Durchimpfung erklären. So leistet die systematische Bereitstellung von Informationen und das Angebot der Durchführung der Impfungen in der Schule einen wichtigen Beitrag, um hohe Impfraten zu erzielen.

Es wurden ferner Unterschiede in den Ansichten der Bevölkerung zu Impfungen festgestellt. In Kantonen mit tiefer Durchimpfung wurden tendenziell mehr impfkritische Personen identifiziert, diese stellen jedoch in diesen Kantonen mit max. 10 Prozent klar eine Minderheit dar.

HPV, HPV-assoziierte Krankheiten und deren Prävention

HPV ist die häufigste sexuell übertragbare Infektion. Es gibt verschiede Virus-Typen, einige von Ihnen können zu Krebs im Anogenitalbereich oder Hals-Rachen-Bereich führen, andere zu Genitalwarzen. Gebärmutterhalskrebs ist dabei die häufigste Krebsform und wird nahezu ausschliesslich durch HPV ausgelöst. Der zuverlässigste und sicherste Schutz vor HPV ist die Impfung. Die Impfung wird daher vom BAG allen Jugendlichen von 11 bis 26 Jahren empfohlen.

Verschiedene internationale Studien haben den Erfolg von HPV-Impfprogrammen bestätigt. In einer australischen Untersuchung wurde beispielsweise gezeigt, dass die Einführung der HPV-Impfung zu einem 93%igen Rückgang von Genitalwarzen führte. In anderen Studien wurde analog ein Rückgang von Gebärmutterhalskrebsvorstufen zwischen 50-85% beobachtet. Eine Schweizer Untersuchung konnte im Kanton Waadt, ein Kanton mit relativ hoher Durchimpfung, erste Erfolge vorweisen.So wurde nach Einführung der Impfung mit 56% ein deutlicher Rückgang der wichtigsten HPV Typen festgestellt.

Die Erfolge von Impfprogrammen hängen direkt mit den vorliegenden Impfraten zusammen. Je höher die Impfrate, desto grösser der Rückgang der durch die Infektion ausgelösten Erkrankungen. Ausserdem werden durch eine hohe Durchimpfung nicht nur direkt geimpfte Personen, sondern auch ein nennenswerter Anteil von nicht-geimpften Personen geschützt.

Die Autoren der FEVAC-Studie kamen zum Schluss, dass systematische, strukturierte und koordinierte öffentliche Interventionen zu einer Verbesserung der Durchimpfung führen könnten. Damit könnten auch die Krankheitslast und die damit verbundenen Kosten gesenkt werden. Weiter wären systematisch erhobene Impfraten in den Kantonen für Mädchen und Jungen ein wichtiges Instrument, um den Erfolg eines Impfprogrammes zu messen.

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Tabelle links: Prozentsatz der vollständig geimpften 16- jährigen Mädchen nach Kantonen (kantonales Durchimpfungsmonitoring Schweiz, durchgeführt im Auftrag des BAGs).Die höchste Impfraten haben die Kantone Basel-Land (74 %), Aargau (78 %) und Wallis (79%).Unter 40 % liegen die Kantone Appenzell Ausserrhoden (34%), Obwalden (30 %) und Appenzell Inerrhoden (19%).

Das Konsumentenforum unterstützt die Impfempfehlungen des Bundesamts für Gesundheit BAG.

Referenzen:

BAG-Bulletin 09/2018 www.bag.admin.ch/dam/bag/de/ dokumente/cc/Kampagnen/Bulletin/ 2018/BU_9_18.pdf.download.pdf/ BU_9_18_DE.pdf

BAG-Bulletin 03/2018 www.bag.admin.ch/dam/bag/de/ dokumente/cc/Kampagnen/Bulletin/ 2018/BU_3_18.pdf.download.pdf/ Bulletin_DE_3_2018_web.pdf

kantonales Durchimpfungsmonitoring www.bag.admin.ch/dam/bag/de/ dokumente/mt/i-und-b/ durchimpfung/tabelle- durchimpfung.xlsx.download.xlsx/ tabelle-durchimpfung-de.xlsx

 Babette Sigg