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Auflösung der Hors-sol-Deklaration

Die Verbände der Schweizer Früchte- und Gemüsebranche und das Konsumentenforum kf haben einvernehmlich beschlossen die Vereinbarung über die Deklaration von Früchten und Gemüse aus der Gewächshaus- und Hors Sol -Produktion per 31. Dezember 2016 aufzulösen.

Das Konsumentenforum und die Organisationen haben in den letzten Monaten die heutige Praxis im Hors-Sol-Anbau und die aktuelle Situation bei der Umsetzung der Deklaration für in- und ausländische Produkte analysiert. Sie sind dabei zum Schluss gelangt, dass die in den Neunzigerjahren kritisierten Punkte der damals noch neuen Anbautechnik, dank technischem Fortschritt und angepasster Praxis heute nicht mehr relevant sind. Der Hors Sol-Anbau hat sich etabliert. Die ökologischen und ökonomischen Vorteile dieser modernen Anbautechnik sind heute unbestritten. Die damals geforderte Deklaration der Anbaumethoden ist dadurch nichtig geworden.

Vorgeschichte:

1996 hatten die Verbände und das Schweizer Konsumentenforum vereinbart, dass bestimmte Produkte aus der Gewächshaus- Und Hors-Sol-Produktion entsprechend deklariert werden sollen. Der Hintergrund dafür waren damals insbesondere die Kritik an der noch wenig bekannten Anbaumethode und auch die Vorbehalte bezüglich der Wiederverwertung (Recycling) der damals üblicherweise eingesetzten Substrat-Materialen. Aufgrund der Skepsis bestand ein Bedürfnis nach Wahlfreiheit und Deklaration.

Aktuelle Situation:

In den letzten 20 Jahren ist bodenunabhängige Gewächshausproduktion in der Schweiz flächenmässig deutlich gewachsen. „Hors-Sol“ hat sich zu einer anerkannten und nachhaltigen Anbautechnik weiterentwickelt, die die klimatischen Risiken für die Ernte reduziert und umwelt- und ressourcenschonend ist. Sie bietet heute viele Vorteile:

  • Weitgehende Verhinderung von krankheits- und witterungsbedingten Ernteausfälle.
  • Gezielt eingesetzte Nützlinge reduzieren Schädlinge auf natürliche Weise, z.B.: Raubmilben gegen Spinnmilben, Schlupfwespen gegen Blattläuse, Raubwanzen gegen weisse Fliegen, usw.. Dadurch kann der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln und Pestiziden minimiert werden.
  • Optimale Steuerung der Temperatur und Luftfeuchtigkeit: Dadurch Verhinderung der Entstehung von Krankheiten sowie deutliche Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln.
  • Dank dem reduzierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind heute auch die Mitarbeitenden auf den Betrieben kaum mehr einem Risiko durch die Hilfsstoffe ausgesetzt.
  • Nährstoffe und Wasser werden den Pflanzen zielgerichtet und bedarfsgerecht zugeführt (Tröpfchenbewässerung). Die Pflanze findet optimale Wachstumsbedingungen vor und bleibt robust und gesund. Keine unerwünschte Abdrift von Pflanzenschutzmittel (z.B. durch Wind) und kein Verlust von Dünger im Boden.
  • Im geschlossenen Kreislauf werden das von der Pflanze nicht aufgenommene Wasser und der darin enthaltene Dünger aufgefangen und wiederverwendet. Es entstehen keine Verluste und der natürliche Boden wird nicht mehr belastet.
  • Die Flächen werden meistens doppelt genutzt: im Sommer für die Produktion von Hors-Sol-Tomaten oder Gurken und im Winter für Nüsslisalat.

Grosse Fortschritte gab es auch bei den Substraten, in denen die Pflanzen heute wachsen. Sie sind heute vergleichbar mit den Substraten, wie sie in jedem Haushalt, im Garten, beim „Urban-Farming“ und auch für Hochbeete, Topf- und Zimmerpflanzen zum Einsatz gelangen:

  • Beim Fruchtgemüse sind es mehrheitlich Substrate aus Kokosfasern, naturbelassener Steinwolle oder Perlit. Perlit entsteht durch Vulkanaktivitäten und kann darum als unerschöpflicher Rohstoff bezeichnet werden. Aus Perlit gewonnene Substrate sind problemlos in die Natur rückführbar.
  • Bei Erdbeeren gelangen derzeit mehrheitlich Kompost, Kokosfasern und – in stark abnehmender Menge – auch noch Torf zur Anwendung. Mit den zuständigen Stellen des Bundes und der Forschung werden derzeit Lösungen gesucht, um eine weitere Reduktion oder einen vollständigen Ersatz von Torf zu ermöglichen. Kokosfasern sind ein 100% natürliches Nebenprodukt aus der Kokos-Produktion.
  • Salate können als ‘Hydrokultur’ in Wasser (d.h. ganz ohne Substrat) angebaut werden. Auch dieser Wasserkreislauf ist in sich geschlossen.

Ökologisch und ressourcenschonend

Produzenten mit Spezialkulturen wie Obst und Gemüse müssen innovativ bleiben, damit sie die vielfältigen Bedürfnisse der Konsumentinnen und Konsumenten, aber auch den lebens-mittelrechtlichen Anforderungen und dem Schutz der Pflanzen vor Krankheiten und Schädlingen gerecht werden können. Dies auf einem Markt, auf dem ein starker Wettbewerb mit Produkten aus dem In- und Ausland herrscht.

Versorgungssicherheit

Der Konsum von Früchten und Gemüse nimmt seit Jahren zu und liegt aktuell bei jährlich rund 168 kg pro Einwohner. Die Bevölkerungszahl der Schweiz stieg parallel dazu in den letzten 25 Jahren von 7 auf 8,3 Mio. Einwohner und soll in den kommenden 10 Jahren auf 9,3 Mio. ansteigen. Für die inländische Produktion ist dies eine Herausforderung in Bezug auf die Versorgungssicherheit der Schweizer Bevölkerung. Die bodenunabhängige Gewächshausproduktion trägt zur Lösung dieser Aufgabe massgeblich bei, indem sie weitgehend krankheits- und witterungsbedingte Ernteausfälle verhindert. Dank hoher Produktivität ist Bedarf an Kulturland für die Hors Sol- Produktion sehr gering. Bei Bedarf können die Gewächshäuser zudem jederzeit rasch zurückgebaut werden, um auf dem Land andere Kulturen anzubauen. Die landwirtschaftliche Fläche bleibt so erhalten und die inländische Produktion wird gestärkt.

Deklaration von Früchten und Gemüse

Die Organisationen sind überzeugt, dass dank der positiven Entwicklung im Gewächshausanbau und ganz besonders in der Hors-Sol-Produktion, die Vorbehalte aus den Neunzigerjahren nicht mehr angebracht sind. Im Gegenteil: Hors-Sol kann heute als umwelt- und ressourcenschonende Landwirtschaft beurteilt werden. Eine differenzierte Deklaration erübrigt sich deshalb. Die differenzierte Deklaration nach Produktionsmethode verteuert zudem die Abläufe in der Produktion und im Handel und dadurch letztlich auch die Produkte für die Konsumenten. Eine weitere Schwierigkeit liegt darin, dass dem Handel nicht immer die erforderlichen Informationen für eine korrekte Deklaration vorliegen. Die Deklaration darf gemäss Lebensmittelrecht selbstverständlich nur gemacht werden, wenn die Anbauform auch nachweislich bekannt ist (Täuschungsverbot). Weil im Ausland keine solche Vorschrift besteht, ist die Information für importierte Produkte oft nicht verfügbar und die Konsumenten können in der Folge nicht immer über die Anbaumethode informiert werden. Dies führt zu Unklarheiten.

Qualität und Wahlfreiheit

Die im Detailhandel erhältlichen Gemüse und Erdbeeren kommen zunehmend aus bodenunabhängiger Produktion. Heute sind sie den Produkten aus dem Freilandanbau in Bezug auf Geschmack, Qualität und Nachhaltigkeit mindestens ebenbürtig. Der Trend zu Hors-Sol wird weiter anhalten.

Bio-Landwirten ist die bodenunabhängige Produktion in der Schweiz derzeit nicht erlaubt. Somit haben die Konsumentinnen und Konsumenten auch weiterhin jederzeit die Wahlfreiheit.

Zahlen zur Produktion in der Schweiz (2015)

Tomaten im Gewächshaus:

  • SUISSE GARANTIE: 157.2 ha; davon rund 102.8 ha bodenunabhängig (Hors-Sol).
  • Bio: 23.04 ha (kein bodenunabhängiger Anbau)

Gurken im Gewächshaus:

  • SUISSE GARANTIE: 66.46 ha Gewächshaus; davon 28 ha Hors-Sol
  • Bio: 9.34 ha (kein bodenunabhängiger Anbau)

Tomaten und Gurken aus Freilandanbau sind in der Schweiz praktisch nicht mehr im Angebot. Aus klimatischen und wirtschaftlichen Gründen hat sich der geschützte Anbau durchgesetzt.

  • Erdbeeren: Rund 88 ha (17%) Substratkulturen, bei einer Gesamtfläche von 518 ha.
  • Himbeeren 151 ha, davon 6 ha Bio.
  • Heidelbeeren: 86 ha, davon 11 ha Bio.

Für weitere Informationen und Fragen wenden Sie sich bitte an:

Konsumentenforum KF: Frau Babette Sigg Frank
praesidentin@konsum.ch / 031 380 50 30

Verband des Schweizer Früchte- und Gemüsehandels (SWISSCOFEL): Herrn Marc Wermelinger
Marc.wermelinger@swisscofel.ch / 031 380 75 75

Schweizer Obstverband (SOV): Herrn Georg Bregy
georg.bregy@swissfruit.ch / 041728 68 68

Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP): Herr Jimmy Mariéthoz
Jimmy.mariethoz@gemuese.ch
simone.meyer@gemuese.ch/ 031 385 36 20