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Wie aktiv soll sich der Staat für gesunde Ernährung einsetzen?

Es gibt momentan viele Ideen, wie man die Bevölkerung zu einer gesünderen Ernährung erziehen will. Die Frage dabei ist, ob man dies durch Zwang oder Aufklärung erreichen will. Wir vom Konsumentenforum sind der Meinung, dass man die Bürger aufklären und nicht bevormunden soll. Bezüglich Zucker bedeutet dies:

Eine Frau sollte täglich nicht mehr als 50g Zucker, ein Mann nicht mehr als 65g Zucker zu sich nehmen. Konkretes Beispiel: Ich (männlich) hatte heute schon ein Mokka-Joghurt und einen Schoggi-Drink. Damit habe ich bereits den Zucker-Tageswert erreicht – und das schon um 08:00 morgens… Da mir das aber bewusst ist, achte ich für den Rest des Tages auf den Zucker-Konsum. D.h. zusätzlich zur Aufklärung braucht es noch ein gehöriges Mass an Selbstdisziplin.

Da Ernährung aber sehr individuell ist, gibt es auch viele verschiedene Ideen, man denke an die „welsche“ Zuckersteuer oder Christian Schmidt’s (deutscher Bundesminister) Reduktionsstrategie:

Aufregung über Schmidt’s Vorstoss zur gesunden Ernährung (Artikel von topagrar.com)

Christian Schmidt ist auch Ernährungsminister und schlägt in dieser Funktion eine Reduktionsstrategie für Zucker, Salz und Fett in Lebensmitteln vor. Sie basiert auf Freiwilligkeit. Trotzdem erregt sie Kritik in Politik und Lebensmittelwirtschaft.

Bundesernährungs- und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will, dass die Deutschen sich gesünder ernähren. Mit einer Reduktionsstrategie will er erreichen, dass die Lebensmittel weniger Zucker, Salz und Fett enthalten. Das Vorhaben hat Schmidt in dieser Woche in mehreren Zeitungen publik gemacht. Die Menschen sollen durch gezielte Informationen und ausreichend Transparenz bei der Zusammensetzung der Produkte zu einem gesünderen Lebensstil finden, heißt es.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) will sich zunächst auf zuckerhaltige Erfrischungsgetränke, Brot und Brötchen, Frühstückscerealien, Joghurt- und Quarkzubereitungen sowie Tiefkühl-Pizzen fokussieren. „Unser Ziel ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Dabei setzen wir vielfältig an“, sagte Schmidt. Ernährungsbildung sei ein Baustein, die Reformulierung der Rezepte ein anderer. Grundlage für die Reformulierungsstrategie ist für das BMEL jedoch Freiwilligkeit. Der Entwurf sehe vor, dass man in Zusammenarbeit mit den Herstellern und der Wissenschaft eine konkrete Umsetzung der Reduktionsziele und Zeitachsen erarbeite.

Kritik an dem Vorhaben kommt von der Schwesterpartei CDU. „Minister Schmidt sollte das Gespräch gerade mit kleineren Betrieben, wie Bäckereien, suchen, um gemeinsame Lösungen zu finden. Auf keinen Fall darf es einen Verdrängungswettbewerb zugunsten der großen Lebensmittelkonzerne geben“, sagte Unionsfraktionsvize Gitta Connemann (CDU) der Bildzeitung.

Alarmiert über den Vorschlag zeigen die Lebensmittelwirtschaft und das sich das Lebensmittelhandwerk. Jeder könne den Zuckeranteil nachlesen, sagt der Vizechef des Verbands der deutschen Ernährungsindustrie, Christian von Boetticher. Der Geschäftsführer des Zentralverbands des deutschen Bäckerhandwerks, Daniel Schneider, kritisiert die kurzfristige Benachrichtigung des Ministeriums über das Vorhaben.

Auch die Zuckerwirtschaft kritisiert Reduktionsstrategie des BMEL. „Die Strategie läuft völlig ins Leere, weil die Fokussierung auf einzelne Nährstoffe wie Zucker bei der Bekämpfung von Übergewicht nicht hilft. Vielmehr ist die Kalorienbilanz entscheidend, denn wer mehr Kalorien aufnimmt als er verbraucht, nimmt zu“, sagte der Vorstand der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ) Dr. Hans-Jörg Gebhard.

Der Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) hingegen begrüßt die Überlegungen des Bundesministeriums Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten den Kampf anzusagen. Die Vorschläge kämen aber viel zu spät, heißt es dort. „Kurz vor dem Ende der Legislaturperiode besteht hier nur wenig Aussicht auf Erfolg. Und eine freiwillige Umsetzung erzeugt nicht genug Druck auf die Hersteller“, so Sophie Herr, Lebensmittelexpertin des vzbv. Um wirklich ein Umdenken bei Herstellern zu erreichen, plädiert der vzbv für eine verpflichtende Teilnahme der Unternehmen. Reduktionsziele müssten den Lebensmittelherstellern klar vorgegeben werden, lautet die Forderung des vzbv.