Etikettenschwindel bei Billigkette

Seit Jahren beträgt die  Produktionsmenge von Bio-Baumwolle 1% der Welternte – der Verkauf von Bio-Baumwoll-Artikeln ist aber um 67 % gestiegen. Wie ist das rechnerisch möglich? Indem einige wie H&M Etikettenschwindel betreiben: Gentechnisch veränderte Baumwolle wird mit wenig Bio-Baumwolle angereichert. Danach folgen Verschleierungstaktiken in Form von Marketing-Kampagnen, die mit leeren Worthülsen wie „Nachhaltigkeit“ und „Ökologie“ um sich werfen. Dieser Betrug am Konsumenten verrät den Bio-Grundgedanken und schädigt indirekt auch Natur und Mensch.

Der Bio-Leitgedanke ist das Wirtschaften im Einklang mit der Natur. Natürliche Lebensprozesse sollen gefördert und Nährstoffkreisläufe weitestgehend geschlossen werden. Durch den Verzicht auf chemisch-synthetische Mittel werden die natürlichen Abwehrkräfte von Pflanzen und Tieren gefördert. Da der Mensch auch zur Natur gehört, gilt der Leitgedanke auch ihm, d.h. die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung müssen fair sein.

H&M missbraucht Bio für seine Zwecke

Wer sich auf der Webseite von H&M über Bio-Baumwolle informiert, findet folgende Erklärung:

„Wann immer Sie ein H&M-Produkt sehen, in dem Bio-Baumwolle enthalten ist, bedeutet das, dass diese unter Einhaltung strenger Standards produziert und durch eine unabhängige Zertifizierungs-Organisation geprüft wurde.“
Weiter verrät uns das schwedische Textilhandelsunternehmen, dass es Bio-Baumwolle liebe und auch bereit sei, mehr für Stoffe „ohne chemische Produkte und Kunstdünger“ zu bezahlen.

Dumm nur, dass H&M’s Zertifizierungs-Organisation „Better Cotton Initative“ heisst und nicht viel damit zu tun hat, was sich Konsumenten unter Bio vorstellen.
„Better Cotton Initiative“ setzt sich zwar für umweltschonenden Baumwoll-Anbau ein, toleriert aber Gentechnik und Pestizide. Wie die Stoffe weiterverarbeitet werden, was mit dem Abwasser geschieht und wie die Arbeitsbedingungen für die Menschen sind, interessiert die Organisation nicht.

Hinzu kommt, dass die meisten Textilien, die mit „Bio-Baumwolle“ deklariert sind, meistens nur zu wenigen Prozenten aus Bio-Baumwolle bestehen. Der Rest – zwischen 50 und 95% – wird entweder aus konventioneller Baumwolle oder synthetischen Fasern dazu gemischt.

Coop und C&A zeigen, wie es geht

Dass sich billig und ökologisch nicht gegenseitig ausschliessen, beweisen Coop und C&A, welche von wesentlich strengeren Zertifizierungs-Organisationen kontrolliert werden („Bio Re“ und „GOTS“):

„Unabhängige Kontrolleure besuchen ohne Vorwarnung Bauern, Spinnereien, Webereien und Färbereien. Es werden chemische Analysen erstellt, Abwasser-Proben genommen und Arbeitsverträge geprüft.“

Dieser Mehraufwand, der Natur und Mensch achtet, macht Bio-Produkte im Schnitt 15 – 20% teurer als herkömmliche Produkte.

Profitieren ohne Verantwortung zu übernehmen

Leider nimmt es H&M nicht so genau mit dem Bio-Leitgedanken. Die H&M-Geschäftsleitung will  auf der Öko-Welle mitreiten, ohne dafür den notwendigen Mehraufwand zu leisten.
Dem Product Management von H&M bleibt nichts anderes übrig, als den Konsumenten mit einer sehr allgemeinen – um nicht zu sagen nichtssagenden – Wortwahl zu suggerieren, H&M-Produkte mit Bio-Baumwolle seien ökologisch.

Dominique Roten

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