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Frauen, zur Kasse bitte!

Als „Pink Tax“ (= rosa Steuer) bezeichnet man den Mehrpreis, den Frauen für Produkte und Dienstleistungen gegenüber vergleichbaren männerspezifischen Produkten bezahlen. Der Aufpreis der Frauenprodukte lässt sich nicht immer mit mehr Inhalt oder besserer Qualität erklären, sondern begründet sich oft nur in der teureren Aufmachung und dem aufwendigeren Design.

Dazu gehören bspw. Produkte für die Körperpflege, Parfums und Friseur-Dienstleistungen. Aus liberaler Sicht fragt man sich, ob es sich bei diesem „Gender-Pricing“ (= Preise nach Geschlecht) um einen Preiszwang für Frauen handelt und wie weit Konsumentinnen mit ihrem Kaufverhalten überhaupt Einfluss auf die Preispolitik der Unternehmen haben.

Die Unternehmen sehen es freilich pragmatisch. Für sie handelt es sich beim „Gender-Pricing“ um ein Marketing-Instrument, eine Preis-Positionierung im Markt welche ihrer Preisgruppe entsprechen soll. Die Frage ist nur, wie gross die freie Wahl der Zielgruppe überhaupt ist. Wenn ein Frauen-Kurzhaarschnitt üblicherweise dreimal soviel kostet wie ein Männer-Kurzhaarschnitt, scheint sich die Marktwirtschaft noch nicht für preisbewusste Konsumentinnen geöffnet zu haben. Wenn Frauen doppelt für Einwegrasierer, Cremes, Duschlotionen usw. bezahlen müssen, kann durchaus von einer „Blockade in den marktwirtschaftlichen Mechanismen“ gesprochen werden. „Pink-Tax“ ist eine Erfindung der Marktwirtschaft – kaum verwunderlich handelt es sich dabei um ein Phänomen westlicher Industrieländer. In Kalifornien, New York und Miami ist das „Gender Pricing“ für Dienstleistungen mittlerweile verboten.

Natürlich hat auch das Konsumverhalten der Frauen damit zu tun: Frauen greifen für Schönheit und Wohlbefinden tiefer in die Tasche als Männer. Männer ihrerseits geben mehr für Technik und Statussymbole aus. Es ist auch ein Spiel von Angebot und Nachfrage, bei dem die Frauen mit ihrem Kaufverhalten den Markt zumindest ein Stück weit beeinflussen können.

Was kann frau tun? Das eigene Kaufverhalten analysieren und Alternativen suchen. Und warum nicht mal etwas wagen und ein Männerprodukt ausprobieren? Männer-Hautcremes beispielsweise sind etwas herber duftend (es gibt auch geruchsneutrale Cremes) aber mit identischer Wirkung und wesentlich günstiger. Schwieriger dürfte es beim nächsten Coiffeurbesuch werden: Feilschen ist sicher nicht jederfraus Sache und in der Schweiz eher ungewohnt… doch wie heisst es so schön: Frechheit siegt!

Dominique Roten
Kommunikationsleiter