Schrittzähler

Krankenkassen zahlen keinen Bonus

Der Ärger ist verständlich: Die Krankenkassenprämien steigen Jahr für Jahr – 2016 waren es erneut durchschnittlich 4% mehr. Seit der Einführung des Krankenversicherungsgesetzes KVG im Jahr 1996 haben sich die Prämien mehr als verdoppelt (sehr anschaulich dargestellt >im Datenblog des Tages-Anzeigers)! Da hält kein Lohn mit… Kein Wunder also, dass die Konsumenten sich sehr besorgt darüber zeigen und der >kf Pulsmesser die Gesundheitskosten jedes Jahr als grösste Sorge benennt.

Dagegen unternehmen lässt sich letztendlich nicht viel mehr, als verzweifelt danach suchen, ob dieser Anstieg durch den Wechsel der Kasse, des Modells oder des Selbstbehalts nicht wenigstens kompensiert werden könnte. Man ist versucht zu glauben, dass die Versicherten das Problem seien, dabei ist es ein strukturelles. Denn viel problematischer sind die Vorgaben an Kassen, da die Behörden zu wissen meinen, wie viel ein an und für sich identisches Produkt wo für wen und bei welcher Kasse zu kosten haben. Die Regulierungen sind absurd.

Ein Bonus-/ Malus-System spielt mit dem Gerechtigkeitsempfinden

Findig wie Versicherungen sind, haben diese neue Wege gesucht und gefunden. Versicherte können sich Verbilligungen verdienen, wenn sie den Nachweis erbringen, dass sie einen gesunden Lebensstil pflegen.

Kleiner Einschub: Offensichtlich reicht die Vehemenz, mit welcher behauptet wird, dass etwas „gesundheitsfördernd“ ist, bereits aus, um es auch als gesund anzusehen. Studien werden von hier und da herangezogen. Wenn diese wirklich absolut gelten, dann jeweils nur bis zur nächsten Studie. Dass Ärzte früher allen Ernstes das feine Schwarzbier Guinness verschrieben, führt heute bloss noch zu ungläubigem Lachen – zumindest ausserhalb Irlands. Was gesund hält oder macht, ist nicht in Stein gemeisselt. Einschub Ende.

In einer Gesellschaft, welche scheinbar immer weniger solidarisch funktioniert, treffen Krankenkassen den Zeitgeist, wenn jemand nicht (ganz so viel) zahlen muss, wenn er doch selbst kaum Kosten verursacht. Während dem es einleuchtend erscheint, dass derjenige mehr bezahlen soll, der Risiken eingeht, welche teuer enden könnten. Ein Bonus-/Malus-System ist also eigentlich schlicht die logische Folge des (aktuellen) Gerechtigkeitsempfindens. Wie die Umsetzung aussehen könnte, zeigt das Pilotprojekt „myStep“ der CSS: Schrittzähler sollen einen messbaren (deshalb aber noch nicht objektiven) Wert liefern, mit dem sich belegen lässt, dass man seine Gesundheit nicht leichtfertig aufs Spiel setzt (als ob das jemand ernsthaft machen würde).

Das Risiko der ‘guten Risiken’ soll zusätzlich minimiert werden

Wer auf seine Gesundheit achtet, soll dafür belohnt werden. Nur: Was ist das für eine Belohnung? Schon mal darüber nachgedacht, dass auf der Jagd nach dem Bonus der Krankenversicherung Opportunitätskosten entstehen? Davon abgesehen lügen die Zahlen nicht: Trotz gesunder Lebensführung und sportlicher Betätigung kosten die Prämien nach wie vor eine stolze Summe. Die Ersparnis beträgt einen tiefen Prozentsatz.

Statt schleichend der Überwachung Tür und Tor zu öffnen und sich einem Diktat auszuliefern, sollte man der Wahrheit ins Auge blicken: Es wandert kein Geld aufs eigene Konto – genau das würde ein Bonus meinen – sondern die Kosten fallen immer noch an. Einen Bonus haben nur die Kassen: Die Gesunden sorgen dafür, dass deren Risiko – für die Kassen – nochmals zusätzlich vermindert wird.

Zum Autor:
Patrick Hischier ist seit August 2014 Kommunikationsverantwortlicher des Konsumentenforums kf. Sein Lebensstil und seine Krankenakte lassen darauf schliessen, dass er für die Krankenkassen wohl ein gutes Risiko darstellt.