Babette Sigg kf Konsumentenforum

Synergien schaffen und bewahren

„Als einzige liberale Konsumentenorganisation der Schweiz begrüssen wir grundsätzlich den Freihandel, da er für Konsumenten mehr Vielfalt und vorteilhafte Preise verspricht.“

Babette Siggkf Präsidentin

Rede der kf Präsidentin Babette Sigg anlässlich der Seminartagung der bäuerlichen Organisationen

Gossau, 15. Dezember 2015
(es gilt das gesprochene Wort)

Werte Bauern,
geschätzte Vertreter der Interessenverbände,
liebe Gäste,

Vielen herzlichen Dank für die Einladung zu diesem interessanten Seminartag mit seinen wichtigen und richtigen Zielen. Gerne werde ich heute kurz ausführen, wie sich unsere Arbeit im Konsumentenforum kf gestaltet, welche Verbindungen zur Landwirtschaft bestehen und welche Erwartungen – oder besser gesagt Visionen – wir für eine Landwirtschaft sehen, zu welcher Konsumentinnen und Konsumenten stehen.

Menschen zusammenzubringen und im Austausch miteinander nach dem bestmöglichen Kompromiss zu suchen, ist genau das, was auch wir in unserer täglichen Arbeit tun. Sich selber konstruktiv einbringen und einen Dialog in Gang zu bringen anstatt sich auf unilaterale Forderungen zu beschränken, ist seit jeher das Rezept des Konsumentenforums kf. (Selbst wenn die Medien differenzierte Positionen nicht zu allen Zeiten gleich gut aufnahmen und -nehmen…) Seit der Gründung des damaligen Konsumentinnenforums kf im Jahr 1961 pflegen wir enge Bande zur Landwirtschaft. Wie die Bäuerinnen- und Landfrauenverbände – Gründungsmitglieder, mit denen stets partnerschaftlich zusammengearbeitet wurde – sehen wir uns als eine Stimme der Vernunft im Konsumalltag. Massgebend war dabei immer eine liberale Gesinnung und das Ideal eines mündigen, selbstverantwortlichen Konsumenten. Diesen gilt es durch Informationen vor einem Kaufentscheid dazu zu befähigen, die für ihn passende Entscheidung zu fällen. So zumindest lautet der hauptsächliche Auftrag an unsere Organisation, festgehalten im Konsumenteninformationsgesetz KIG. Daneben setzen wir uns mit einem Rechtsberatungsdienst für Konsumenten in Schwierigkeiten ein und vermitteln, wenn der Dialog zwischen Verkäufer und Konsument ins Stocken geraten ist. Als öffentlich wahrgenommene Stimme der Konsumenten setzen wir uns auch ständig für politische Rahmenbedingungen ein, welche Wahlfreiheit, ein breites Angebot und faire Preise zulassen. Dies geschieht vor allem durch die Teilnahme an Vernehmlassungen und durch den Einsitz in Kommissionen und Arbeitsgruppen.

Gesetze, die vorschreiben, wie die Arbeit auszusehen hat, sind nur eine Gemeinsamkeit. Viele Landwirte kamen in den Beruf, weil sie gerne ihr eigener Chef sein möchten und eigenverantwortlich wirtschaften möchten. Diese Art von Selbstbestimmung erkennen wir auch bei den Konsumenten als hohes Gut. Wohlwissend, dass Konsumenten Informationen zwar gerne aufnehmen – sich im Moment des Kaufentscheid dann aber gerne von Aktionen und (vermeintlichen) Schnäppchen leiten lassen. Diese ausgeprägte Preissensibilität ist in der Tat eine Gemeinsamkeit, welche die Landwirtschaft mit dem kf teilt: solide Arbeit und zuverlässige Information reichen manchmal nicht aus, da Konsumenten sich auch immer irrational verhalten können.

Aber sowohl wir mit unserem Auftrag, die Konsumenten zu informieren, wie auch die nach Absatzmärkten suchende Landwirtschaft, dürfen nicht aufhören, rational zu argumentieren. Grundlage dafür können nur verlässliche Informationen sein. Hier bietet sich die Möglichkeit zur Zusammenarbeit, von welcher beide Parteien profitieren können. Durch regelmässige Kommunikation miteinander können die gegenseitigen Bedürfnisse viel besser und eher erkannt werden. Während es uns ein Anliegen ist, über Produktionsbedingungen, Inhaltsstoffe und deren Deklaration im Bilde zu sein, muss die Landwirtschaft ein Interesse daran haben, über Ansprüche, Trends und Meinungen, aber auch über Sorgen von Konsumenten Bescheid zu wissen. Das können wir sehr gut bieten, da wir mit Umfragen immer wieder den Puls der Bevölkerung nehmen und so repräsentative Zahlen erhalten. Studien gibt es auch aus der Landwirtschaft zur Genüge. Diese auch für Laien, was die meisten Konsumenten sind, verständlich überzubringen, muss ein gemeinsames Ziel darstellen.

Nach einem bilateralen Austausch – wie er ja heute noch stattfinden wird – sollten auch die Resultate möglichst gemeinsam aufbereitet und verbreitet werden. Die Sensibilisierung der Bevölkerung mittels valabler Informationen ist ein dauerhaftes Vorhaben. Indem Synergien ausgeschöpft werden, kann es effizienter umgesetzt werden. Gerade wenn es um den Respekt gegenüber der Landwirtschafts-Branche geht, kann Transparenz nicht schaden. Wir stellen uns eine Transparenz vor, welche den Konsumenten besser in ihrer Entscheidungsfindung hilft – und das grosse Know-how hinter den konsumierten Produkten in andere Bevölkerungskreise trägt.

Vor dem Hintergrund einer eben erst zu Ende gegangenen Klimakonferenz, ist es zudem vorstellbar, dass für die Zukunft gemeinsame Nachhaltigkeitsziele formuliert werden können. Beide Seiten müssen ein Interesse daran haben, denn wir teilen nicht nur Absichten, sondern auch unseren Lebensraum.

Ebenfalls mit Blick in die Zukunft möchte ich die mir gebotene Bühne dazu nutzen, um die Erwartungen von der Konsumenten-Seite in Form einer Vision zu skizzieren. Als einzige liberale Konsumentenorganisation der Schweiz begrüssen wir grundsätzlich den Freihandel, da er für Konsumenten mehr Vielfalt und vorteilhafte Preise verspricht. Aufgrund der immer noch extremen internationalen Marktverzerrungen sind wir allerdings meilenweit von einem funktionierenden Markt entfernt. Und man darf nicht vergessen, dass diese Subventionen an einem anderen Ort von …den Konsumenten bezahlt werden. Wir wünschten uns deshalb einen grenzüberschreitenden Abbau und faire Marktpreise – selbst wenn dies in manchen Fällen ein Produkt verteuern könnte. Wieder näher an die Kostenwahrheit zu kommen, würde Konsumenten bei der Orientierung helfen.

Es ist immerhin eine grosse Errungenschaft, dass wir heutzutage eine so hohe Ernährungssicherheit aufweisen wie nie zuvor. Dieses Level sollte möglichst gehalten werden und Schweizer Produkte sollen weiterhin höchsten Qualitätsansprüchen genügen. Es ist sowohl ein Verkaufs- als auch ein Kaufargument. Gerade aus der Perspektive der Konsumenten sind sichere und gesunde landwirtschaftliche Erzeugnisse das A und O.

Ebenfalls lobenswert ist das breite Sortiment, welches angeboten wird. Ein Blick in die noch gar nicht so weit zurückliegende DDR beweist, dass dem Konsumenten die Wahlfreiheit wichtig ist. Eine solch staatliche Planwirtschaft liegt glücklicherweise hinter uns. Es liegt an uns und dem politischen Willen der oft erwähnten Bauernlobby, weiterzuarbeiten in Richtung einer für alle Seiten verträglichen Gestaltung der Landwirtschaft.