Køb af madvarer Foto: Andreas Mikkel Hansen/norden.org

Lernen vom Europameister

Dänemark ist Europameister im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung. Innert fünf Jahren reduzierten die Skandinavier die Essensabfälle um 25 Prozent und sind damit auch für die Schweiz ein Vorbild. Am Anfang dieser Erfolgsgeschichte steht eine Frau – Selina Juul. Mit einfachen Ideen schaffte es die 37jährige, die als Teenager aus Russland nach Dänemark einwanderte und 2014 zur „Dänin des Jahres“ gekrönt wurde, Konsumenten und Unter nehmen zum bewussteren Umgang mit Lebensmitteln zu erziehen.

Laut Schätzungen der Vereinten Nationen wird ein Drittel des Essens weltweit weggeworfen, insgesamt etwa 1.3 Billionen Tonnen. Grossen Anteil daran haben vor allem die westlichen Länder. „Essensverschwendung ist respektlos“, beklagt sich Selina Juul. „Es ist ein Fehlen von Respekt gegenüber der Natur, den Tieren und unserer Gesellschaft“. Und schlussendlich auch gegenüber sich selbst, denn weggeworfenes Essen ist auch weggeworfenes Geld. Juul begann laut eigenen Worten als „wütende Konsumentin“ mit kurzen Blogs im Internet. 2008 gründete sie die Konsumentenorganisation „Stop Wasting Food“ (dänisch: „Stop spild af mad“), welche heute hohe Anerkennung geniesst und mit mehreren europäischen Regierungen zusammenarbeitet.

Juuls Ideen zur Bekämpfung von Food Waste sind dabei so simpel wie originell: Unter anderem schaffte sie es, Dänemarks grössten Discounter davon zu überzeugen, die „Drei zum Preis von Zwei“-Angebote zu reduzieren. Dank dieser Massnahme musste der Discounter nur noch halb soviel Bananen wegwerfen wie vorher. Auf Juuls Bestreben hin haben viele dänische Supermärkte „stop food waste“-Zonen eingerichtet: Lebensmittel, die kurz vor dem Ablauf des Haltbarkeitsdatums stehen, werden dort günstiger verkauft.

Auch bei den Verbrauchern finden Juuls Ideen Beachtung. Sie entwickelt Aufklärungsprogramme für Schulen, produziert Fernsehsendungen und ist auf den Sozialen Medien präsent. Juul ermuntert die Leute, wieder Einkaufszettel zu benutzen und den Nachbarn alle Lebensmittel zu schenken, wenn sie längere Zeit verreisen. Heute scheut sich kaum noch jemand in Dänemark, im Restaurant nach einem „Doggy Bag“ für die Essensreste zu fragen. Juul benannte die Beutel kurzerhand in „Goody Bags“ um und verteilte zehtausende davon an Restaurants.

Juul ist mittlerweile in ganz Nordeuropa bekannt. 2016 wurde sie mit dem Womenomics Influencer Award geehrt und trat vor dem Europäischen Parlament auf. Nicht überraschend, wenn man bedenkt, in welch kurzer Zeit sie ein ganzes Land motivieren konnte, weniger Essen zu verschwenden.

Dominique Roten
Kommunikationsverantwortlicher

Weiterführender Link zum Thema :
http://www.selinajuul.com