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Krypto & Blockchain – Neue Rolle für Konsumenten?

In den letzten 12 Monaten hat sich der Hype um Bitcoin & Co. verstärkt: Die Zeitungen berichten von sprunghaften Kursen bei den Kryptowährungen, die Stadt Zug nimmt für bestimmte Transaktionen Kryptowährungen von ihren Bürgern an und eine ganze Region, im Korridor zwischen Zürich und Zug, wird als Krypto-Valley bezeichnet. Was steckt hinter der Bitcoin-Technologie?

Dr. Michael Lewrick & Christian Di Giorgio

Bitcoin passiert auf der Basis einer Technologie, genannt Blockchain, die eigentlich nichts anderes macht, als Gewissheit zu schaffen. Die Realisierung eines Systems, in dem es keine Fälschungen und Missverständnisse gibt. Besonders wichtig erscheint dies aus heutiger Sicht in Bezug auf Eigentumsrechte, Wertgegenstände, persönliche Daten und andere Sicherheiten. Da wir naturgemäss Fremden gegenüber eher misstrauisch sind und wir über die Jahre auch lernen mussten, dass das Internet nicht unbedingt als sicher gilt, waren wir bislang gezwungen, Notare, Banken, Buchführer und andere vertrauenswürdige Vermittler damit zu beauftragen, auf unser Eigentum für hohe Spesen aufzupassen oder den Eigentumstransfer sicher durchzuführen. So liessen wir eine Eigentumsübertragung bspw. notariell beurkunden, was bei einem Hauskauf mit bis zu 0.5% des Kaufpreises zu Buche schlug.

Solche notariellen Aufgaben können bspw. Blockchain-Programme über- nehmen. Die vertrauensvolle Beurkundung einer Eigentumsübertragung erfolgt dann im Konsensus von vielen Rechnern in verteilten Netzwerkknoten. Die einzelnen Rechner machen nichts anderes, als uns die Gewissheit zu geben, dass ein Eigentum von Person A zu Person B übertragen wurde. Die gute Nachricht ist, dass diese Validierung einen Bruchteil der Kosten eines Notars ausmacht und absolut sicher ist.

Der Begriff Blockchain wird für ein Konzept genutzt, mit dem ein Buch- führungssystem dezentral geleitet werden kann und dennoch ein Konsens über den richtigen Zustand der Buchführung erzielt wird.

Welches Problem löst Blockchain?

Das Internet feiert seinen 20. Geburtstag und hat uns in vielen Lebensbereichen Vorteile gebracht. Neben dem schnellen Zugang zu Informationen hat es in den vergangenen zwei Jahrzehnten zur Demokratisierung von Information geführt. Also die einfache, schnelle und (weit- gehend) unzensierte Verbreitung von Informationen. In dieser digitalen Welt ist das Multiplizieren und Verbreiten von Informationen und Dokumenten eine wünschenswerte Eigenschaft: “Copy and Paste“ als Paradigma des Internets.

Bei allem, was uns wertvoll erscheint, wie z.B. Geld, ist diese Eigenschaft jedoch weder wünschenswert noch zweckdienlich. Nehmen wir an, Fr. 100.- einer Kryptowährung sollen von Person A an Person B transferriert werden. Dann muss garantiert werden, dass diese Fr. 100.- nicht auch gleichzeitig an eine Person C transferiert werden. Ein Problem welches lange nicht gelöst werden konnte.

Der Durchbruch kam mit Bitcoin. Bitcoin war das erste System, das sicher eine elektronische Geldeinheit von A nach B transferieren konnte. Diese Logik können wir auch auf andere Eigentumsrechte anwenden, die künftig als digitale Werte existieren werden: Fahrzeugbriefe, Aktien oder Grundbucheintragungen.

Blockchain hilft bei der Eindeutigkeit und gibt exakt Auskunft, wem nach einem Eigentumstransfer das Fahrzeug, das Haus oder das Bezugsrecht gehört.

Wie profitieren “ Prosumer“ davon?

Der Begriff “Prosumer“ wurde im Energiemarkt geprägt. Der Besitzer eines Einfamilienhauses mit einer entsprechenden Solaranlage auf seinem Dach fungiert an sonnigen Tagen als Produzent, weil er zusätzlich Strom ins Netz speist. An anderen Tagen ist er Konsument, weil seine Anlage nicht genügend Strom erzeugt.

Ein “Prosumer“ ist also ein Mix aus “Producer“ und “Consumer“ und somit nicht nur Konsument, sondern auch ein aktiver Teil der Produktion. Soweit nichts Neues, würde Blockchain es nicht ermöglichen, alle Erzeugnisse und Dienstleistungen zu digitalen Assets (= Daten, die einen Wert darstellen) zu machen, z.B. eine Kilowattstunde Strom. Somit kann je- der seine eigenen, digitalisierten Assets dem Ökosystem zur Verfügung stellen. Je digitalisierter ein System ist, desto einfacher ist es, an einem Wertefluss aktiv teilzunehmen.

Die Wertschöpfung verschiebt sich, von der traditionellen Aufteilung in Produzent und Konsument, hin zu einem Kreislauf von Peer-to-Peer- Transaktionen (= Transaktionen unter Gleichen).

Im Falle der Stromerzeugung via Photovoltaik entsteht ein direkter Wertstrom von “Prosumer“ zu “Prosumer“ – ein System, dass in der Vergangenheit aufgrund der Kosten pro Transaktion und umständlicher Abrechnungsverfahren als ökonomischer Humbug angesehen wurde.

Mit Blockchain entsteht die Möglichkeit, dass Konsumenten auf einfache Weise mit ihren digitalisierten Assets Geld verdienen. Basierend auf diesen Mechanismen und Überlegungen entstehen aktuell viele neue Crowdsourcing-Systeme.

Das Beispiel (siehe Abb. unten) vom “Prosumer“ mit seiner Solar-Anlage zeigt Systeme, die Blockchain-Firmen wie Microgrid und NEMoGrid realisieren möchten:

Jeder Haushalt kann seine Überproduktion ins Netz zurück speisen oder bestimmten Abnehmern, z.B. in der Nachbarschaft Strom vom Vortag verkaufen. So entstehen neue Wertströme im Gegensatz zu konventionellen Modellen.

In der Regel kommt bei solchen Beispielen sofort die Frage auf, warum es hierfür eine Blockchain brauche? Schliesslich bleibt bei der Infrastruktur, angefangen bei Smart Meter und Microgrids, bis hin zur leistungsstarken Informationstechnik, alles beim Alten.

Blockchain hilft aber auf andere Weise: Als Schlüssel-Technologie ist Blockchain eine nützliche Ergänzung, um die Werteflüsse zu steuern, zu kontrollieren und abzurechnen. Dies ist zwar ebenfalls in einem zentralen System vorstellbar, aber keineswegs so effizient und kostengünstig.

Die Frage nach dem Wert einer Kryptowährung

Die Frage nach dem Wert ist komplex und nicht ganz einfach zu beantworten, da Geld mehrere Funktionen erfüllen muss:

•Tausch- und Zahlungsmittel

•stabile Recheneinheit für den Wert von Waren und Dienstleistungen

•langfristiges Wertaufbewahrungsmittel

Im Fall von Kryptowährungen wie Bitcoin bestimmt sich der Wert vor allem an dem Glauben der Teilnehmer, also durch Angebot und Nachfrage.

Wer noch mehr über Krypto und Blockchain erfahren möchte, ist mit dem Buch „LIVE aus dem Krypto-Valley“ von Dr. Michael Lewrick und Christian Di Giorgio gut bedient. Es beschreibt auf einfache Weise die Funktionsweise und Anwendungsfälle von Blockchain. Das Buch richtet sich an Einsteiger in diese interessante Materie.

Verlag: Vahlen ISBN-10: 3800657473