Trockenfleisch

Missbräuchliche Verwendung von geschützten Bezeichnungen

Die Kantonschemiker haben 2015 flächendeckend schweizerische und europäische Produkte überprüft. Von den 1445 kontrollierten Produkten mussten nicht weniger als 313 Produkte beanstandet werden.

Von 625 getesteten und mit AOP- oder IGP-Bezeichnung verkauften Schweizer Produkten erfüllten 85 respektive 14 Prozent die Anforderung an die geschützten Bezeichnungen nicht. Noch drastischer fällt das Ergebnis bei den Bezeichnungen „Berg” und „Alp” aus. Von den 100 kontrollierten Produkten entsprachen 36 nicht den rechtlichen Anforderungen. Diese Resultate sind umso bedeutender, als dass die geschützten Bezeichnungen Konsumentinnen und Konsumenten gerade vor Täuschungen schützen sollten. Für den Verband der Kantonschemiker Schweiz zeigen die in sämtlichen Kantonen durchgeführten Tests, dass die rechtlichen Vorgaben zum Schutz von geographischen Bezeichnungen nur ungenügend berücksichtigt werden.

„Dass geschützte Herkunftsbezeichnungen missbraucht werden, ist sehr enttäuschend“, so Patrick Hischier, Sprecher des Konsumentenforums kf, in einer ersten Stellungnahme. „Der Beitrag im Kassensturz von letzter Woche hat auch verdeutlicht, dass Konsumenten es als stossend empfinden, wenn mit „Bündnerfleisch IGP“ nur eine Herstellungsart und nicht die (naheliegende) Herkunft deklariert wird. Beim Bündnerfleisch handelt es sich aber auch um einen Spezialfall was das Pflichtenheft anbelangt…“

„Konsumenten können den Bezeichnungen nach wie vor trauen. Die Untersuchung des VKCS hat ja auch ergeben, dass die grosse Mehrheit der kontrollierten Produkte nicht beanstandet worden ist. Aber es ist auch eine Erinnerung daran, dass es ständige, nicht angekündigte Kontrollen braucht. Kontrollen und natürlich die breite Streuung der Resultate sind die einzige zweckmässige Massnahme. Denn es ist anzunehmen, dass sich fehlbare Anbieter nicht von weiteren Regeln oder Verordnungen davon abbringen lassen würden, mit einer missbräuchlichen Deklaration einen wirtschaftlichen Vorteil herausholen zu wollen“, gab Hischier an.

Was können Konsumenten tun, um sich zu vergewissern, dass die Labels stimmen? „Verarbeiterbetriebe müssen nachweisen können, dass alle ihre Zulieferer unter dem entsprechenden Kontrollverfahren stehen, beziehungsweise diesbezüglich zertifiziert sein müssen. Der Konsument könnte sich im Zweifel also nach der Zertifizierungsstelle erkundigen. Auch im Gastgewerbe sollte eine verantwortliche Person die entsprechende Information vom Lieferanten erhalten haben bzw. dort abfragen“, so Balz Horber, Ombudsman der >Ombudsstelle Fleisch.

Quellen: Medienmitteilung Verband der Kantonschemiker der Schweiz,
Landwirtschaftlicher Informationsdienst LID

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