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Was geschieht mit Ihrem Prämienüberschuss?

Seit Anfang 2016 erlaubt das Krankenversicherungsaufsichtsgesetz (KVAG) explizit die Rückzahlung von Überschüssen aus der Grundversicherung an die Ver sicherten. Doch viele Krankenkassen tun sich schwer damit, die Prämienbeiträge, welche ihre Kunden zuviel einbezahlt haben, korrekt zurückzuerstatten. Grosse Kassen wie Helsana und CSS bilden Reserven, andere wie Concordia schütten die Überschüsse nach dem Giesskannenprinzip aus, ungeachtet dessen, ob jemand zu viel oder zu wenig gezahlt hat. Von allen Kassen hat bisher nur Sympany fair gerechnet: Sie zahlt nur denjenigen Versicherten ihr Geld bar zurück, in deren Kanton ein Überschuss erzielt wurde.

Krankenkassen haben’s nicht leicht: Um die Kosten der Grundversicherung für das kommende Jahr einschätzen zu können, müssen sie das Betriebsergebnis des Vorjahres und die Entwicklung des laufenden Jahres analysieren. Bei ihren Schätzungen berücksichtigen die Krankenkassen auch Tarifänderungen für medizinische Leistungen, bevorstehende neue Gesetze und den zu erwartenden Ab- bzw. Zugang von Versicherten. All diese Faktoren helfen den Kassen, die Spannweite des Kostenanstiegs zu berechnen. In den letz ten Jahren bewegte sich dieser stets zwischen 3 und 5 Prozent, was nicht nur für steigende Prämien sondern auch für rote Köpfe sorgte.

Der Frust der Versicherten über den alljährlichen „Prämien- Schock“ richtet sich meist gegen die Krankenkassen selber. Dabei werden fast die gesamten Prämien benötigt, um die Kosten für medizinische Leistungen zu decken, die von den Versicherten beansprucht werden: Mehr als 95 Prozent der Einnahmen wurden letztes Jahr für medizinische Leistungen aufgewendet, gerade mal 5 Prozent für den Verwaltungsaufwand der Kassen.

Was, wenn die Prämie zu hoch kalkuliert wurde?

Positive Entwicklungen wie bspw. die Zinsentwicklung am Markt, niedrigere Gesamtkosten oder Veränderungen in der Sterblichkeit, die bei der Kalkulation nicht berücksichtigt wurden, können zu Überschüssen führen – sprich: die Prämien wurden zu hoch berechnet und die Versicherten haben als Folge davon zuviel einbezahlt. Ist dies der Fall, werden die Überschüsse den Reserven zugewiesen und für die Prämienberechnung im nächsten Jahr berücksichtigt. Wichtig: Diese Überschüsse fliessen nicht an Dritte oder als Boni ans Management, sondern bleiben im System. Kran- kenkassen ist es per Gesetz verboten, in der Grundversicherung Gewinne zu erzielen.

Was, wenn die Prämie zu tief kalkuliert wurde?

Wurden die Prämien zu tief berechnet, resultieren Fehlbeträge, welche durch die Reserven ausgeglichen werden, die man in finanziell erfolgreichen Jahren gebildet hat. Oder anders gesagt: Mit den Reserven werden die offenen Rechnungsbeträge der Prämien bezahlt.

Welche Formen der Rückerstattung gibt es?

Das neue Krankenversicherungsaufsichtsgesetz (KVAG), welches am 1. Januar 2016 in Kraft getreten ist, erlaubt es den Krankenkassen, die Überschüsse der Grundversicherung direkt an die Versicherten auszuzahlen oder wie bisher in Form einer Prämienreduktion zurückzuerstatten.

Vor 2016 war die Überschuss-Auszahlung gesetzlich nur bei den Zusatzversicherungen erlaubt. Bei der Grundversicherung hingegen hatten die Kassen grosse Reserven angehäuft, welche sie oft nur zögerlich in Form von Prämienreduktionen an ihre Kunden weitergaben. Die Krankenkassen wurden von den Behörden unter Druck gesetzt, die gewaltigen Reserven abzubauen und an die Versicherten zurückzugeben. Als Folge davon wurden die Prämien bewusst zu tief und unrealistisch angesetzt. Dieses Vorgehen ist heute nicht mehr zulässig.

Abgesehen vom volkswirtschaftlichen Aspekt haben die Rückzahlungen auch eine starke Signal-Wirkung bei den Versicherten. Eine Überweisung aufs eigene Bankkonto ist konkreter und leichter zu begreifen als eine „Reduktion der Prämienerhöhung fürs nächste Jahr“.

Dieser starken Signal-Wirkung sind sich Krankenkassen und Unfallversicherer bewusst, entsprechend viel Aufwand wird in Marketing-Kampagnen gesteckt: Die Suva, grösster Unfallversicherer der Schweiz, macht momentan Werbung dafür, dass sie „im Interesse des Werkplatzes Schweiz die Versicherten um rund 520 Millionen Franken entlastet“. Dies in Form einer individuellen Prämienreduktion. Das ist sehr erfreulich, doch sollte man dabei nicht vergessen, dass dieses „Geschenk“ auch ein selbst gemachtes ist: Im Umkehrschluss bedeutet es nämlich, dass die Kunden der Suva zuviel bezahlt haben und sie nun ihr eigenes Geld in Form einer Prämienreduktion indirekt zurück erhalten.

Die Krankenkassen verhalten sich unterschiedlich bei der Rückerstattung von Überschüssen aus der Grundversicherung. Abhängig von den finanziellen Mitteln und den strategischen Zielen werden Überschüsse entweder in die eigenen Reserven gesteckt, als Prämienreduktion weiter gegeben oder als Direktzahlung zurückerstattet:

1. CSS stockt Reserven auf

Die CSS, zweitgrösster Krankenversicherer der Schweiz, verzeichnete letztes Jahr einen erfolgreichen Geschäftsgang. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Gesamtgewinn um beachtliche CHF 55 Mio. an und in der Grundversicherung erzielte man einen Überschuss von CHF 4.8 Mio. Trotz des hervorragenden Geschäftsergebnisses entschied sich die Geschäftsleitung der CSS, den gesamten Überschuss den Reserven zuzuteilen.

2. Concordia mit Giesskannenprinzip

Auch für die Concordia verlief das letzte Jahr mit einem Jahresertrag von CHF 174 Mio. sehr positiv. Im Gegensatz zur CSS profitieren die Kunden der Concordia aber von einer Prämienreduktion basierend auf Überschüssen. Die Concordia zahlt damit allerdings nicht den Überschuss des letzten Jahres, sondern die Reserven der letzten Jahre zurück. Insgesamt werden rund CHF 55 Mio. aus der Reserve der Grundversicherung nach dem Giesskannenprinzip zurückgezahlt. D.h. ungeachtet der Beiträge die einbezahlt wurden, kriegen alle Kunden die gleiche Prämienreduktion. Im Fall von Concordia heisst dies: Jedem Erwachsenen werden CHF 10.- und jedem Kind CHF 2.- direkt von der Monatsprämie abgezogen.

3. Sympany zahlt Geld zurück

Wesentlich fairer rechnet Sympany: Seit 2016 erstattet die Kasse die erzielten Überschüsse der Grundversicherung an ihre Versicherten zurück und übernimmt damit eine Vorreiterrolle. Die Überschüsse werden bei Sympany aber nicht nach dem Giesskannenprinzip verteilt, sondern nach dem Geschäftsergebnis der Kantone. Das bedeutet, wenn die Erfolgsrechnung eines Kantons einen Überschuss ausweist, wird der Überschuss den Kunden dieser Region zurückgezahlt.

Dieses Jahr werden rund 60 Prozent der Kunden Rückzahlungen aus Grund- und Zusatzversicherung in Höhe von insgesamt CHF 18.8 Mio. erhalten. Im Kanton Solothurn bspw. werden den Versicherten dieses Jahr CHF 370.-* pro Kopf zurückerstattet – für eine vierköpfige Familie sind das beachtliche CHF 1’480.-. Daneben profitieren auch noch andere Kantone:

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Diese Art der Rückvergütung ist nicht nur fairer, sondern für die Konsumenten auch „fassbarer“, da sie nach dem (kantonalen) Verbraucherprinzip beurteilt werden und im Fall eines Überschusses Bargeld erhalten.

Ein weiterer Vorteil dieser Auszahlung ist volkswirtschaftlicher Natur. Mit der periodengerechten Verbuchung in der Erfolgsrechnung kann das Geschäftsjahr geschlossen werden, weil kein Bedarf mehr nach rückwirkender Prämienkorrektur und damit nach einer periodenfremden Belastung eines Folgejahres besteht. Die Gefahr der Rechtsunsicherheit fällt weg und die Überschüsse werden nicht erst ausbezahlt, wenn der Druck durch die Behörden zu hoch wird.

Unter Berücksichtigung der Fairness und des Verbraucherprinzips ist es für Konsumentinnen und Konsumenten wünschenswert, wenn sich das Sympany-Prinzip auch bei den anderen Kassen durchsetzt.

Dominique Roten

*Zahlen gelten für den Rechtsträger Vivao Sympany AG.