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Schweizer Gesetzeslücken – Genfer Ticketverkäufer führt alle an der Nase herum

Es ist zum Verzweifeln: Der unseriöse Tickethändler viagogo mit Sitz in Genf bietet seit Jahren Betrügern eine Online-Plattform an, auf der sie schalten und walten können, wie es ihnen beliebt, ohne dass es juristische Konsequenzen nach sich ziehen würde. Die Betrügereien auf dieser Plattform haben ein aussergewöhnliches Ausmass für Schweizer Verhältnisse angenommen und dennoch kann das SECO, das Staatssekretariat für Wirtschaft, aufgrund der fehlenden Gesetzgebung nicht eingreifen. Dabei ist die kriminelle Energie die bei viagogo freigesetzt wird offensichtlich: 2018 verzeichnete alleine die Rechtsberatung des Konsumentenforums 144 viagogo-Fälle.

Was wurde nicht schon alles geschrieben, um eine breite Öffentlichkeit vor viagogo zu warnen: „viagogo ist ein no-go“, „Lady Gaga gegen viagogo“ (beide im Blick), „Wer hat‘s erfunden? Die Schweizer!“ (ausländische Presse) oder„Tickethändler verärgert ganz Europa“ (kf-Magazin). Genutzt hat‘s offenbar nichts, denn die Zahl der geprellten Kundinnen und Kunden ist nicht gesunken. Dabei werden Schweizer ebenso über den Tisch gezogen wie Deutsche, Franzosen oder Skandinavier. Mittlerweile wird europaweit vor der Plattform gewarnt, teilweise sogar mit Unterstützung von Regierungsmitgliedern.

Das viagogo immer noch sein Unwesen treiben kann, liegt am Geschäftsmodell: Viagogo ist lediglich eine Plattform, die es Leuten ermöglicht, ihre Tickets weiterzuverkaufen. Die schweizerische Gesetzgebung ist punkto Weiterverkauf von Tickets aus zweiter Hand lückenhaft, und schützt eher die Betrüger als die Opfer.

Keiner der Verkäufer wird von viagogo überprüft, d.h. Betrüger können schalten und walten wie es ihnen beliebt… und viagogo weist die Verantwortung, sofern überhaupt eine Stellungnahmen erfolgt, jedesmal von sich. Aber auch die Plattform selber ist in betrügerische Machenschaften verwickelt: In zahlreichen Fällen wurden im Nachhinein zusätzliche Gebühren (teilweise teurer als die Tickets selber) erhoben, die nirgends ersichtlich waren.

Darum raten wir nochmals davon ab, Tickets bei viagogo zu kaufen!

Dominique Roten, Konsumentenforum