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Kein „Tetra Pak“-Recycling bei Migros, Denner und Coop

Die Schweiz gehört im Recycling zu den Besten der Welt. Sie rezykliert Glas, Blech, Aludosen, PET-Flaschen, Batterien und Textilien. Doch bei den Getränkekartons versagt sie…

Im internationalen Vergleich gehört die Schweiz zweimal zu den Spitzenreitern: Einerseits produziert sie jährlich doppelt so viele Siedlungsabfälle pro Kopf (d.h. Abfallstoffe aus Haushalt und Gewerbe) wie der EU-Durchschnitt. Nur Dänemark und die USA produzieren ähnlich viel Abfall pro Kopf.
Andererseits nimmt die Schweiz bei der Abfallverwertung eine internationale Vorreiterrolle ein: Von den Siedlungsabfällen werden 51% rezykliert, der Rest wird verbrannt. Kein anderes Land weist eine derart hohe Recycling-Quote bei Siedlungsabfällen aus.

Doch die vorbildliche Recycling-Quote ist in Gefahr: Die Schweizer Detailhändler Migros, Coop und Denner recyclen zwar Plastik-Flaschen, weigern sich aber seit Jahren, das gleiche mit Getränkekartons zu machen. Dies im Gegensatz zu Aldi und Spar, die Plastikflaschen UND Getränkekartons rezyklieren.

Wie kann es sein, dass eine schweizerische Tugend“ wie das Rezyklieren ausgerechnet von den drei grossen Schweizer Detailhändlern vernachlässigt wird, während die tiefpreisigen Discounter Aldi und Spar sich diese Dienstleistung für Umwelt und Konsumenten weiterhin leisten?

Migros, Coop und Denner begründen die fehlende Dienstleistung mit Geruchsemissionen, die bei den Sammelstellen entstünden, wenn man sie nicht täglich leeren würde. Würde man sie täglich leeren, wäre das mit Mehrkosten verbunden, die die Schweizer Detailhändler nicht bereit sind zu zahlen. Dies steht im Gegensatz zu Aldi und Spar, welche sich hier vorbildlich verhalten und die Sammelstellen täglich leeren – zum Glück für die Migros-, Coop- und Denner-Kunden, denn die können ihre Tetra Paks“ bei Aldi und Spar entsorgen…

Ein Grund für das Verhalten der Schweizer Detailhändler liegt in der Schweizer Politik: Bis heute hat sie es versäumt, einheitliche Strukturen und Vorgehensweisen einzufordern. Die schlechten Strukturvorgaben haben dazu beigetragen, dass in der Schweiz jeder sein eigenes Süppchen kocht und aus lauter Eigeninteressen kaum kostensenkende Synergien entstehen können. Denn es gibt bis heute nur Vorgaben für einzelne Materalien.

In Deutschland läuft es anders: Die Gesetzgebung befasst sich ausführlich mit den Sammelstrukturen und gibt den Detailhändlern klare Vorgaben beim Recycling. Dies mag mit ein Grund sein, warum beim deutschen Discounter Aldi niemand auf die Idee gekommen ist, das Recycling von Getränkekartons aus Kostengründen wieder zu streichen, nicht einmal in der Schweiz.

kf-Meinung 

Grosse Unternehmen haben grosse Auswirkungen auf Umwelt und Konsumenten. Die Schweizer Detailhändler stehen darum in der gesellschaftlichen Pflicht,  brancheninterne Lösungen für das Tetra Pak“-Problem zu finden, Synergien zu nutzen und gemeinsam Finanzierungslösungen zu erarbeiten.

Dominique Roten, Kommunikationsleiter