Pulsmesser

Das Konsumentenforum kf führt seit 2005 repräsentative, schweizweite Umfragen durch. Ursprünglich aus der Idee entstanden, sicherzustellen, dass nicht an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei gearbeitet wird, hat sich aus der ersten „Marktforschung“ mit „10 relevanten Konsumententhemen“ im Jahr 2005 zum „Pulsmesser“ gewandelt. Dieser geht der Gefühlslage der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten auf den Grund und zeigt Jahr für Jahr auf, welche Sorgen am meisten beschäftigen.

kf Konsumentenforum Umfrage Pulsmesser

Pulsmesser 2016

13.01.2016

An seiner Jahresmedienkonferenz präsentierte das Konsumentenforum kf die Resultate des „Pulsmessers“, der jährlich durchgeführten Umfrage zu den grössten Sorgen der Schweizer Konsumenten. Erstaunlich: Die Wegwerfkultur wird von mehr als 80% als Problem wahrgenommen. Grösste Sorgen bleiben aber die steigenden Gesundheitskosten.

Auch in diesem Jahr waren die steigenden Gesundheitskosten erneut dasjenige Thema, welches Konsumenten eindeutig am meisten beschäftigte. 92% der Befragten gaben an, dass es sie beschäftige. Während die Sorge über den Röstigraben hinweg geteilt wird, fiel auf, dass insbesondere ältere Menschen (96%) sich sehr mit der Entwicklung der Krankenkassenprämien und Medikamentenpreise beschäftigen. Bei den bis 30-Jährigen gab es immerhin 12%, welche sich deswegen nicht sorgten. Das könnte damit zusammenhängen, dass sie laut eigener Einschätzung weniger gut über die unterschiedlichen Medikamentenpreise im Vergleich zum Ausland Bescheid wissen. Insgesamt findet aber auch eine Mehrheit der Jugendlichen die Preisunterschiede zum Ausland „unfair“. Insgesamt gaben 47% der Befragten an, dass ein „sehr grosser“ politischer Handlungsbedarf zur Eindämmung der Kosten im Gesundheitswesen bestehe.

Littering und Wegwerfkultur beschäftigen stärker

Im Ranking des „Pulsmessers“ ebenfalls weit oben stand heuer die Sorge um den zunehmend exzessiven Konsum und dessen (sichtbare) Folgen. 33% fanden, dass die Schweiz ein Littering-Problem hat – wobei die über 50-Jährigen diesen Eindruck stärker haben (47%) als die unter 30-Jährigen (19%). Ein Generationenkonflikt scheint sich aber nicht aufzutun, denn durch alle Altersklassen macht es den Menschen Sorge, dass Produkte immer kürzere Lebenszyklen haben. Eine überraschend deutliche Mehrheit stört sich sehr (47%) oder tendenziell (37%) an der „Wegwerfkultur“. „‚Umweltschädigung durch Konsum‘ war zwar bereits im letzten Jahr eine ernste Sorge, wir waren aber doch erstaunt darüber, dass die Sorge dermassen stark wahrgenommen wird, wenn sie in der Fragestellung nicht mehr unmittelbar mit den Auswirkungen auf die Natur verbunden wird“, so Babette Sigg. „Es beweist, dass Schweizer Konsumenten ihr Konsumverhalten durchaus kritisch reflektieren und mündig genug sind, um die Folgen abschätzen zu können.“

Stärker ins Bewusstsein gerückt ist zuletzt auch die Lebensmittelsicherheit. Die Auswirkungen von Antibiotikaresistenzen, gentechnisch veränderten Lebensmitteln oder Chemikalien auf Nahrungsmittel beschäftigten rund drei Viertel der Befragten mehr oder weniger stark. Vor allem die Westschweizer, Menschen mit höherer Schulbildung, die über 50-Jährigen sowie auf dem Land Wohnende gaben an, sich häufiger mit dem Thema auseinanderzusetzen. Eine weitere Sorge war der Datenschutz im Internet. Altersarmut könnte künftig eine wichtige Sorge werden: Gleich 76% schätzten, dass Altersarmut zunehmen werde – bloss 2% sehen eine Entwicklung in die andere Richtung. Wenig Sorgen bereiten Produktdeklarationen, das Einkaufen im Internet. Trotz zuletzt harscher Kritik am öffentlich-rechtlichen Fernsehen gaben die Befragten an, dass der Service Public in der Schweiz insgesamt gut (60%) bis sehr gut (28%) sei.

Preisunterschiede zum Ausland bis maximal 30% wären gerechtfertigt

Im Jahr des „Frankenschocks“ beschäftigte die Konsumenten natürlich auch die Preisdifferenz zum Ausland. Immerhin 25% der Befragten äusserten, dass „sehr grosser“ politischer Handlungsbedarf bestehe. Das Konsumentenforum kf wollte es genauer wissen und fragte nach, welcher Unterschied zum Ausland gerechtfertigt wäre. Gleich hohe Preise forderten 8,5%. Mit dem Blick auf die höheren Löhne schätzten 32.2% einen 10-Prozent-Unterschied und 29,1% einen 20-Prozent-Unterschied als angemessen ein. Immerhin noch 10,0% könnten auch mit 30 Prozent Preisunterschied leben – noch höhere Preisunterschiede fanden dagegen keinen Zuspruch. „Die Frage nach dem gerechtfertigten Preisunterschied sollten sich Händler ganz genau anschauen“, so kf Präsidentin Babette Sigg, „aber solange Heftli, Kosmetika oder Kleidung – also Produkte, welche im Nachbarland identisch auf den Markt kommen – in der Schweiz dermassen teurer bleiben, wird man weiterhin massenhaft Einkaufstouristen begegnen.“