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Tipps für die Wahl des richtigen Spitals

Der Befund «Da muss operiert werden!» kann Patienten vor einen schwierigen Entscheid stellen. Wie findet man das Spital mit der höchsten medizinischen Qualität? Durch die Ratschläge des Hausarztes? Durch Abklappern zahlreicher Spitalwebsites? Per Suchanfrage bei Google.

Mirjam Oertli, Blick

Eine Suchmaschine führt zwar vielleicht nicht direkt zum besten Spital. Aber sie listet bald verschiedene Online- Spital-Bewertungsportale auf. Und die versprechen Lösungen für die Qual der Spitalwahl. Denn hier können Patienten ihre Diagnose eingeben und erhalten schnell eine «Rangliste» der «besten» Kliniken. Wer den Test aufs Exempel macht, erfährt beispielsweise, dass Spital X in ­Sachen Knieprothesen top ist. 837 Mal wurden hier ähnliche Operationen durchgeführt. Eine Fallzahl, die auf hohe Erfahrung hinweist. Dies bei einer Sterblichkeit von null. Auch die Prozentangaben von Infektionen spielen sich rechts hinter dem Komma ab. Selbst die Werte zur Patientenzufriedenheit überzeugen, vereinfacht gesagt verfügt man also auch über freundliche Mitarbeitende und gutes Essen.

Online-Bewertugen vermitteln isolierte Sicht

Allerdings fallen die Ranglisten je nach verwendeten Kriterien und deren Gewichtung schnell unterschiedlich aus. Und Kriterien gibt es einige: Patientenzufriedenheit, Fallzahlen, Sterblichkeit, Infek­tionsrate, Wiederaufnahmerate und viele andere mehr. Auch verfährt jedes Portal nach eigenen Gesetzmässigkeiten. Die Zahlen, auf welchen diese Angaben beruhen, sind dabei durchaus stimmig: Sie stammen zum Teil vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) und weiteren anerkannten Institutionen. Doch alles richtig zu interpretieren und daraus Hinweise auf die tatsächliche medizinische Qualität abzuleiten: Schwierig!

Christian Westerhoff, Chief Clinical Officer, Privatklinikgruppe Hirslanden sagt: «Je kleiner die Fallzahlen, desto stärker bestimmt der Zufall den Wert.» ZVG

Christian Westerhoff, Chief Clinical Officer der Privatklinikgruppe Hirslanden, sagt denn auch: «Es reicht nicht, sich auf Online-Spitalbewertungen zu verlassen.» Sie böten eine isolierte Sicht auf einzelne Qualitätsindikatoren, die seltene, negative Ereignisse beschreiben, wie Sterblichkeit oder Infektionen. Was fehlt, ist also der Kontext. Ein Beispiel: Weist ein Spital eine erhöhte Sterblichkeit aus, kann dies einerseits bedeuten, dass schlechter ge­arbeitet wird. Möglicherweise führt man aber lediglich riskantere Eingriffe durch oder hat eine andere Patientendurch­mischung.

Ein weiteres Problem, so Westerhoff, sei die Gegenüberstellung von verschiedenen Spitälern unterschiedlicher Grösse: «Je kleiner die Fallzahlen, desto stärker wird der Wert durch Zufallsereignisse bestimmt.» Um die Qualität von kleineren Spitälern zu beurteilen, müssten also die Messwerte über mehrere Jahre betrachtet werden. Und was die Patientenzufriedenheit betreffe, basierten diese meist nur auf sehr allgemeinen Befragungen, seien also wenig differenziert.

Geht es am Ende auch einfacher?

Medizinische Qualität? Ein Buch mit sieben Siegeln, also? Nicht direkt. Aber die Komplexität bei der Messung ist hoch. Oder geht es am Ende auch einfacher? Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) entdeckte nämlich einen engen Zusammenhang zwischen Patientenzufriedenheit und Massstäben der Sicherheit, wie Sterbe-, Infektions- und Wiederaufnahmeraten: Die Forscher fanden heraus, dass die Zufriedenheitswerte der Patienten nützliche Signale für die Patientensicherheit sind. Eine nachvollziehbare Erklärung dafür sieht Westerhoff darin, dass sich die Qualitätskultur eines Spitals wahrscheinlich sowohl in der medizinischen Qualität als auch in Freundlichkeit oder Essensqualität ausdrückt. Doch seien die Ursache-Wirkungs-Verhältnisse erst noch vertieft zu klären.

Es fehlen einheitliche Regulierungen

Was gemäss Westerhoff für die Messung von medizinischer Qualität – und vor allem für deren Vergleich – auch fehlt, sind schweizweit einheitliche Regelungen. Zudem würden wichtige Faktoren, wie Begleiterkrankungen oder der Schweregrad einer Diagnose, noch zu wenig berücksichtigt. Genau wie die für ihn ganz zentrale Thematik: «Wie geht es den Patienten Monate nach der Operation? Hat sich ihr Gesundheitszustand verbessert?» Diese Aspekte kämen heute noch zu kurz. Und sind folglich auch in Online-Portalen nicht enthalten. Weitere Abklärungen und den Rat des Hausarztes können diese also wohl ergänzen. Aber nicht ersetzen.

Worauf sie bei der Krankenhauswahl achten sollten

Die richtigen Fragen stellen

Bewertungportale liefern Hinweise für die Qualität eines Spitals. Sie können den Entscheid für eine geeignete Klinik aber nur unterstützen. Denn die Interpretation der Daten gestaltet sich als schwierig. Folgende Fragen können Ihnen beim Entscheid helfen.

  • Ist das vorgesehene Spital auf «meinen» Eingriff spezialisiert?
  • Gibt es Zahlen dazu, wie es Patienten mit ähnlichen Eingriffen Monate später geht?
  • Setzt sich das Spital der Wahl aktiv und dokumentiert mit Qualitätsmanagement auseinander?
  • Wozu rät mein Haus- oder Facharzt? Wozu raten Bekannte, die ähnliche Eingriffe vornehmen lassen mussten?

Bewertungsportale für Spitäler

  • spitalfinder.ch
    Portal von «Santésuisse» und Konsumentenforum
  • welches-spital.ch
    Portal des gemeinnützigen Vereins «Spitalvergleich Schweiz»
  • comparis.ch
    Spitalvergleich basierend auf selbst erhobenen Daten zur Patientenzufriedenheit
  • spitalinformation.ch
    Portal des «Spitalverbandes H+», stützt sich auch auf Qualitätsberichte der Kliniken
  • qualitaetsmedizin.ch
    Spitalvergleich der «Initiative Qualitätsmedizin Schweiz»
  • bag.admin.ch
    Hier finden sich u. a. Fallzahlen, auf denen auch Vergleichsportale basieren, sowie Sterblichkeitsraten
  • anq.ch
    Webseite des «Nationalen Vereins zur Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken», zeigt Ergebnisse von Umfragen zur Patientenzufriedenheit