Zuschauer sollen zur Werbung gezwungen werden!

 TV-Verbreiter wie Swisscom und UPC bieten ihren Kunden beim zeitversetzten Fernsehen die Möglichkeit, Werbung zu überspulen. Dagegen laufen nun die TV-Sender Sturm. Sie klagen über sinkende Werbeeinnahmen und wollen die Zuschauer zwingen, sich die Werbung wieder anzuschauen. Eine Entmündigung des Konsumenten, die so gar nicht unserem Zeitgeist entspricht…

„Ich muss gleich aufs Klo!“ „Wart’ noch, bis die Werbung kommt.“ Solche Dialoge führten Herr und Frau Schweizer in ihrer Wohnstube, als man noch nicht die Möglichkeit hatte, die Werbung zu überspulen. In den 80ern folgte dann der Siegeszug des Video-Rekorders, der es dem Zuschauer ermöglichte, die Werbespots im Schnelldurchlauf zu „ignorieren“. Es war darum nur logisch, dass die Zuschauer mit der Einführung des zeitversetzten Fernsehens die Möglichkeit des Überspulens weiterhin nutzen konnten.

Geht es jedoch nach dem Willen einiger TV-Sender, sollen die Zuschauer dazu gezwungen werden, sich die Werbung anzuschauen. Grund sind sinkende Werbe-Einnahmen, die vor allem für private Sender wichtig sind. Was die Sender aber verschweigen: Werbung wurde immer schon umgangen, sei es mit dem Umschalten auf einen anderen Kanal, dem Gang aufs WC oder dem Drücken der „ffw“-Taste auf dem Video-Rekorder. Durch neue Messsysteme haben es die TV-Sender nun schwarz-auf-weiss was jeder schon längst weiss: Werbung wird von den Zuschauern möglichst vermieden.

Das sich dabei die Einnahmequellen verändern, liegt auf der Hand. Der technische Fortschritt und der individualisierte Konsum lassen sich nicht mehr rückgängig machen und bringen Gefahren aber auch Chancen mit sich, der sich auch die Fernseh-Branche stellen und anpassen muss.

So schwarzmalerisch, wie es die Interessengemeinschaft Radio und Fernsehen (IRF) in ihrer dieswöchigen Medienmitteilung dargestellt hat, ist es darum bei weitem nicht. Das Schweizerische Konsumentenforum ist der Meinung, dass es nicht sein kann, einem sich verändernden Geschäftsumfeld mit veralteten Strategien zu begegnen und die Zuschauer wieder zu entmündigen.

Die Bevormundung des Konsumenten ist für das KF keine Lösung.

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